Nach nun 3 Wochen in Deutschland merke ich immer mehr, wie das Leben in den USA mich beeinflusst hat. Wichtiges Thema, wenn man Essen geht und Geld ausgibt: Trinkgeld. Davon bleiben nämlich auch „arme“ Rechtsreferendare nicht verschont.
In den USA ist es üblich, auf den Rechnungsbetrag noch 10% bis 20% (eher aber 20%) Trinkgeld zu geben. Dazu muss man wissen, dass es dort für die Angestellten ein Extra-Einkommen zu dem meist geringen Lohn des Arbeitgebers darstellt. Wer knickrig ist oder gar aus Unwissen kein Trinkgeld gibt, wird sich oft böse Blicke einhandeln oder dafür sorgen, dass einem kein schöner Abend gewünscht wird, wenn man die Lokalität verlässt.
Deswegen ertappe ich mich gerade immer wieder, dass ich hier der Bedienung im Restaurant oder in der Bar ein verhältnismäßig „üppiges“ Trinkgeld gebe. So habe ich mich am Wochenende selbst übertroffen, als ich bei einem Milchkaffee von 2,30 € auf 3,00 € aufgerundet habe.
In den USA habe ich wohl gelernt, dass es mir wichtiger ist, jemandem den Tag durch eine „Spende“ jedweder Art zu versüßen, als jeden Cent im Geldbeutel zehnmal umzudrehen: auch einen griesgrämigen Flughafen-Shuttle-Fahrer habe ich mit einer Schachtel Zigaretten zu einem unglaublichen Stimmungswechsel verholfen: dieser hatte am Anfang nicht mal das obligatorische „Hi, how are you?“ herausbekommen, sondern nur einen mürrischen Blick. Nach einigen Unterhaltungen stellte sich heraus, dass er einen ziemlich schlechten Tag und nicht mal Geld für Zigaretten hatte. Nachdem ich ihm an einer Tankstelle heimlich eine Schachtel besorgt hatte, drehte er die Musik im Auto laut und sang fröhlich mit und unterhielt sich angeregt mit mir – die schlechte Laune war verflogen. Die 5$ Trinkgeld am Flughafen habe ich natürlich auch nicht vergessen…
Beachte: In den USA sollte man auch beim Friseur oder im Kosmetiksalon, in denen meistens Asiatinnen arbeiten, unbedingt an einen Tipp denken. 


Geht mir genauso. Grade bei delivery guys hat man ja eher 25 Prozent gegeben, das schlägt hier in D richtig zu Buche.
Wohin soll man übrigens 2,30 sonst aufrunden?
Kommentar von Alexander Hartmann — Oktober 24, 2006 @ 10:54