Law Lounge

Oktober 25, 2006

„It’s the law!“

Gespeichert unter: Pflichtwahlpraktikum Washington DC — lawlounge @ 6:31

Ein wichtiges Thema während des Pflichtwahlpraktikums in Washington D.C.: Weggehen.

Nachdem man einige verbündete Rechtsreferendare aus anderen Kanzleien und diversen Botschaften gefunden hat, möchte man ab und zu auch mal das Nachtleben erforschen. Dazu gibt es einige einfache Regeln, die man beachten sollte:

  1. Wenn möglich, niemals alleine mitten in der Nacht unterwegs sein. Vor allem nicht als Frau. Auch wenn der Nordwesten der Stadt als einigermaßen sicher gilt, so gibt es auch dort viele gefährliche Orte. Nicht nur einmal musste ich mich von meinem Ausbildungsanwalt am nächsten Tag bei dem Bericht über die abendlichen Unternehmungen darüber mit dem Satz „Oh, da ist es aber gefährlich.“ belehren lassen. Das kennt man so aus Deutschland nicht, sollte sich dessen aber schnell bewußt werden.
  2. Passport mitnehmen! Überall, wo Alkohol ausgeschenkt wird, wird am Eingang oder bei Bestellung von alkoholischen Getränken der Ausweis kontrolliert. Das hängt damit zusammen, dass diese in den meisten Bundesstaaten der USA erst ab 21 ausgeschenkt und verkauft werden dürfen. Sogar der Konsum durch Personen unter 21 Jahren steht unter Strafe. Zwar reicht in vielen Lokalitäten die Vorlage des deutschen Personalausweises aus – viele Türsteher kennen diese sehr gut ;) – jedoch ist es besser immer seinen Reisepass dabei zu haben. Aus meinem eigenen Nähkästchen fällt mir dazu folgende Geschichte ein: mit zwei anderen Interns wollte ich in Bethesda einen netten Abend verbringen, weshalb wir in ein Irish Pub gingen. Nachdem wir uns an die Bar gesetzt hatten, verlangte der Bartender unsere I.D.s. Da ich – ausnahmsweise, da ich am Vorabend fast meinen Reisepass verloren hatte!- nur meinen Perso vorlegen konnte, wurde ich sozusagen aus dem Lokal geworfen. Zu keiner Diskussion bereit erklärte mir der Bartender in einem völlig unverständlich-bösartigen Ton: „It’s the law.“ . Minderjährige hätten kein Recht, sich in Bars aufzuhalten und müssten sofort das Lokal verlassen. Mit Minderjährige meinte er mich…
  3. Der Bus fährt nicht die ganze Nacht! Komischerweise fuhren viele Busse am Freitag länger – teilweise bis 3 Uhr nachts. Am Samstag dagegen war das nicht immer der Fall, vor allem nicht nach Nord-Bethesda. So ganz einsam an einer Bushaltestelle um 2 Uhr nachts können einem dabei schon mal sehr merkwürdige Gestalten begegnen, das kann ich bezeugen. Glücklicherweise gibt es Taxis.

Das sind so die einfachsten Grundregeln, wobei ich denke, dass das mit dem Reisepass wohl wirklich irgendwo im Gesetz stehen muss. Leider habe ich mich nie näher damit beschäftigt. Also, viel Spaß beim Weggehen!

Tipps für passende Bar usw. können gerne bei mir erfragt werden.
Georgetown

14 Kommentare »

  1. [...] Zum Thema Ausgehen in Amerika ist in der Law Lounge ein sehr lesenwerter Bericht erschienen. Aus eigener Erfahrung kann ich die Ausführungen der Autorin nur bestätigen. Es lohnt sich immer, eine Photo-ID dabei zu haben, notfalls genügt aber ein Führerschein oder eine International Student Identity Card. [...]

    Pingback von Kein Drink ohne Ausweis « Obiter Dictum — Oktober 25, 2006 @ 7:20

  2. Naja, ganz deppensicher ist nicht mal ein Reisepass. Mir ist es ist in New York am Anfang ein paar Mal passiert, dass mein österreichischer Pass nicht akzeptiert wurde, es musste ein (am besten: New Yorker, aber jedenfalls amerikanischer) Führerschein sein.

    Witzig auch die Prozedur, meinen alten (kalifornischen) FS am Verkehrsamt umschreiben zu lassen. Zum Nachweis der Idendität benötigt man 6 „Identitätspunkte“, das einzige Dokument, das so viel wert ist, ist aber der eigene FS. Man muss also addieren: Ein Europäischer Pass 3 Punkte, eine Kreditkarte 1 Punkt, eine amerikanisches Steuerformular W2 bzw eine Sozialversicherungskarte jeweils ein weiterer Punkt… Mühsam nährt sich das Eichhörnchen :-)

    Kommentar von Ingmar Greil — Oktober 25, 2006 @ 7:22

  3. Den Pass würde ich nicht ständig mit mir herumtragen.

    Kommentar von Alexander Hartmann — Oktober 25, 2006 @ 8:28

  4. Wenn ich sowas höre, dass nicht mal Reisepässe akzeptiert werden… Was mache ich denn, wenn ich keinen amerikanischen Führerschein habe, geschweige denn eine Sozialversicherungskarte??? Da fällt es mir wirklich schwer, ruhig zu bleiben…:D

    Kommentar von lawlounge — Oktober 25, 2006 @ 8:30

  5. @Alexander: das habe ich mir auch gedacht, bis mir die Sache in dem Pub passiert ist…

    Kommentar von lawlounge — Oktober 25, 2006 @ 8:37

  6. Naja, im Extremfall halt woanders hingehen. Ist ja nicht immer passiert, aber ein paar Türsteher haben eben nur amerikanische Führerscheine (oder military IDs) akzeptiert. Es gibt auch eigene IDs, die keine Führerscheine sind, bekommt man um ein paar Dollar am DMV. Nur seine Identität nachweisen muss man natürlich immer noch.

    Kommentar von Ingmar Greil — Oktober 25, 2006 @ 10:49

  7. Seit dem Patriot Act ist alles anders. Vorher konnte man den Fuehrerschein erwerben, indem man eine Telefon- oder Wasserrechnung vorlegte, auf der Namen und Anschrift stand.

    Einen anderen wichtigen Rat zum Ausgehen in DC haben Sie wohl fuer einen weiteren Eintrag zurueckgehalten? Hier in DC duerfen Sie nicht Ihre Schusswaffe mit sich fuehren, selbst wenn Sie das dumpfe Gefuehl haben, Sie braeuchten eine im Stadtteil, den Sie aufsuchen wollen.

    Kommentar von ck — Oktober 25, 2006 @ 11:00

  8. Zu den Schusswaffen: ich wäre nie darauf gekommen eine Waffe mitzunehmen :) . Steht das irgendwo im DC Criminal Code?

    Zu Ingmar: das mit dem DMV wusste ich gar nicht. Wahrscheinlich war ich dafür nicht lange genug dort. Und:
    Ja, das mit der anderen Bar ist klar. Aber mein Abend war erst mal verdorben. Das hat mir erst keiner geglaubt – bis ich 2 Wochen später mit 3 Kollegen in ein Irish Pub in Georgetown gegangen bin und ich hatte als einzige meinen Reisepass dabei. Die anderen wurden deswegen „rausgeworfen“. Diesesmal aber etwas freundlicher. Trotzdem hatten sie danach keine Lust mehr, woanders hinzugehen. Wahrscheinlich waren wir alle einfach nur zu zart besaitet ;) .

    Kommentar von lawlounge — Oktober 26, 2006 @ 2:01

  9. „ich wäre nie darauf gekommen eine Waffe mitzunehmen :)

    überraschung… zu hause vergessen und zu faul gewesen, eine neue in DC zu kaufen?

    Kommentar von rozzenplozz — Oktober 26, 2006 @ 2:19

  10. genau so war’s… ;)

    Kommentar von lawlounge — Oktober 26, 2006 @ 3:27

  11. P.S. Deinen Hinweis habe ich verstanden und werde nichts mehr dazu schreiben. War in keinem Fall meine Absicht, eher ein sehr unüberlegter Anfängerfehler.

    Kommentar von lawlounge — Oktober 26, 2006 @ 3:31

  12. Soso… Bethesda also…

    Denke mal, dass ich dann wohl Dein direkter Nachfolger bin, sowohl hinsichtlich BCR als auch hinsichtlich Unterkunft. Komme daher, insoweit zurück zum topic, gerne auf Dein Angebot im Hinblick auf Tipps zu Bars etc. zurück. Gerne auch per Email (“ benötigt, never displayed“ ).

    Kommentar von KR — Oktober 30, 2006 @ 4:16

  13. Hi;
    ich gehe auch ab Dezember 2006 für drei Monate nach Washington D.C. zur Botschaft und würde dich gern um Tips fragen….was sind Do`s, welche die Don´t´s…wo kann man am besten eine Unterkunft suchen (Hab noch nichts).
    Würde mich über Antwort freuen. Vielen Dank!

    Kommentar von Emel — November 2, 2006 @ 7:05

  14. [...] vergleichbares Druckmittel setzte er beim Alkholverbot ein, das USA-Besucher unter 21 Jahren in ungewohnte Situationen versetzt. Published [...]

    Pingback von Tod + Not im Regelwald « USAnwalt — Mai 12, 2007 @ 4:34


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